Mehr Zufall wagen!

tldr; Verhaltet euch zufällig und unvorhersagbar um den Manipulatoren der Zukunft ein Schnippchen zu schlagen und eure Handlungsfreiheit zu bewahren.

Der Artikel von Grassegger, Krogerus - Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt schlug tatsächlich ein wie eine Bombe. Darin kommt der Psychologe Michal Kosinski zu Wort, der eine Methode entwickelt und veröffentlicht hat (Kosinski et al. (2013) um das Verhalten von Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook vorherzusagen. Genau diese Methode sei von der Firma Cambridge Analytica ausgenutzt worden, um das Wahlverhalten der amerikanischen Facebookbenutzer so zu beeinflussen, dass Donald Trump die Präsidentenwahl gewinnen konnte. 

Dies klingt erstmal nach totaler Verschwörungstheorie und wurde sofort als unglaubwürdige Schauergeschichte kritisiert: 

Leider ist an der Kritik vor allem eines auffällig: Während der ursprüngliche Artikel sich auf Aussagen des Experten und Autors der Studie beruft, kommen die kritischen Artikel nur mit Hörensagen und Gerüchten über die angebliche Unmöglichkeit des Gesagten daher. Zwar gibt es tatsächlich berechtigte Zweifel, ob die oben genannte Firma überhaupt genügend Zeit hatte, noch wirksam in den Wahlkampf einzugreifen (siehe Spectator: "The British data crunchers who say they helped Donald Trump to win"), aber das es grundsätzlich möglich ist, das Verhalten von Menschen anhand ihres Facebook-Profiles vorherzusagen, müssen auch Kritiker der ursprünglichen Veröffentlichung zugeben: 
Und als Daten Ingenieur und Halbexperte auf dem Gebiet kann ich euch nur sagen (auch wenn ihr es vielleicht nicht wahrhaben wollt): Ja es ist wahr, man kann Menschen auf Basis ihres Facebook-Profiles oder ihrer anderen Onlinetätigkeiten identifizieren und ihr Verhalten vorhersagen. Wäre es nicht so, dann hätten Facebook und Google gar keinen Businesscase und würden nicht existieren. Die gesamte personalisierte Onlinewerbung im Internet basiert genau auf dieser Annahme und die oben genannten kritischen Publikationen sollten es besser wissen, schließlich nutzen sie ebenfalls personalisierte Werbung auf ihren Seiten. Spektrum (2015): "Wie Algorithmen und Big Data unsere Zukunft bestimmen" schreibt sehr prophetisch
Bei Wahlen wäre es daher im Prinzip möglich, sich durch Nudging Stimmen von Unentschlossenen zu sichern – eine nur schwer nachweisbare Manipulation. Wer auch immer diese Technologie kontrolliert, kann also Wahlen für sich entscheiden, sich sozusagen an die Macht nudgen.
Ob das bei der Trump-Wahl schon der Fall war, sei dahingestellt. Grundsätzlich möglich ist es auf jeden Fall. 

Die Frage die bleibt, und die leider keiner der oben verlinkten Artikel beantwortet ist: Wie kann man sich gegen diese neuen Manipulationsmöglichkeiten wehren? 

Die Antwort darauf ist überraschend einfach: mit Zufall! 

Wie jeder weiß, der schon einmal versucht hat aus eine Wust von Daten irgendeine Erkenntnis zu ziehen oder gar Vorhersagen abzuleiten, ist der größte Feind das zufällige Untergrundrauschen, welches eventuelle nützliche Signale in den Daten verbirgt. Ganze Wissenschaften wurden entwickelt um das sogenannte Signal-to-Noise Ratio zu verbessern, aber wenn das zufällige Rauschen zu hoch ist, dann kann man einfach keine sinnvolle Information aus den Daten extrahieren, selbst wenn man über Big Data verfügt. 

Dies kann man sich zunutze machen um den Manipulatoren der Zukunft ein Schnippchen zu schlagen. Statt zu versuchen sich Facebook und Google zu entziehen und seinen Datenfußabdruck im Internet so klein wie möglich zu halten, schlage ich das Gegenteil vor: Müllt Facebook, Google, Amazon und Co. zu mit zufälligen Daten zu! Liked auf Facebook doch einfach mal zufällig irgendwelche Seiten: Der vegane Verein und das Steakrestaurant sind doch beide gut. Amerikanische Autos lieben und gleichzeitig Anti-Trump sein. Und warum nicht mal radikale Parteien liken um sie und ihre Analysten in Sicherheit zu wiegen ob der vielen Supporter die sie vermeintlich haben. Teilt euren Amazon-Account mit der ganzen Familie und ihr werdet mit kreativsten Empfehlungen belohnt werden (WindelApps, Schminktips für Männer, ...). Mehrere Identitäten online zu haben ist sogar eine so gute Idee, dass Apple sie sich hat patentieren lassen: 

Hilfreich um multiple Identitäten (Emailaddressen, Kreditkartennummern, ...)  zu verwalten sind z.B. auch die Tools von https://www.abine.com. Aber am weitesten fortgeschritten in der Idee mit zufälligem Verhalten das eigene zu verschleiern ist das Tool 
Es ist ein Browserplugin (für Firefox und Chrome), welches im Hintergrund ständig zufällige Internetsuchen ausführt und auf die Ergebnisse klickt. Auf diese Weise wird eure Browserhistory mit Rauschen gefüllt, welches es Google und Co. sehr schwer macht, ein konsistentes Profil von euch zu erstellen. Damit wird auch das Tracken und eventuelle Vorhersagen eurer Vorlieben und eures Verhaltens erheblich erschwert. Glaubt mir, wenn ihr solche Tools verwendet (wer entwickelt ein Ähnliches für Facebook?), werden euch die Data Analysten und Data Scientists, die eure Verhalten mit Algorithmen zu analysieren versuchen, regelrecht hassen. Denn aus zufälligem Datenmüll etwas zu extrahieren macht einfach keinen Spass. Aber habt keine Gnade, denn selbst Google ist inzwischen zur Dark Side gewechselt:
Es ist Zeit für eine Rebellion. Es ist Zeit dafür, mehr Zufall zu wagen!


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